Reichhart trotzt Automotive-Krise

Kontraktlogistiker aus Gilching hält Vorjahresumsatz und investiert in Transportkapazität
Die einstiegen Könige der Kontraktlogistik, nämlich jene Dienstleister, die komplexe Logistikaufgaben für die Automotive-Branche erbringen, gehören derzeit zu den Krisenverlieren. Denn selbst die Abwrackprämie konnte nicht verhindern, dass die Verkaufszahlen und damit auch der Logistikbedarf deutlich gesunken sind. Doch es gibt auch Ausnahmen. Eine davon ist Reichhart Logistik.
Das Unternehmen aus Gilching bei München macht die Hälfte seines Umsatzes in der Kontraktlogistik. Davon wiederum entfallen 60 Prozent auf den Automotive-Bereich. Reichhart ist somit ohne Frage eng mit der größten deutschen Industriebranche verbunden und hat die dortigen Einbrüche auch gespürt, wie Geschäftsführer Michael Jackl bestätigt. Von Krise ist bei Reichhart dennoch keine Spur.
Stabiler Umsatz. Ganz im Gegenteil: " In der ersten Jahreshälfte haben wir 23,2 Mio. EUR Umsatz gemacht. Damit haben wir exakt das Rekordniveau des Vorjahres erreicht", freut sich Jackl. Und das, obwohl das Dienstleistungsportfolio "Automotive-lastig" ausgerichtet sei. Angesichts dieser Erfolgszahlen hält der Manager auch an seiner Jahresplanung fest. "Wir sind optimistisch, das Niveau des Vorjahres mit 47,5 Mio. EUR Umsatz halten zu können", betont der Chef von 800 Mitarbeitern in Deutschland, Österreich und Frankreich. Vielleicht gibt es sogar einen leichten Zuwachs.
Doch wie kommt es, dass es bei Reichhart so gut läuft? Jackl nennt mehrere Erfolgsfaktoren. Punkt eins: "Wir haben einen guten Produktmix - auch abseits des Automotive-Geschäfts". Punkt zwei: "Wir haben noch stärker auf Leistungen gesetzt, mit denen wir die Prozesse beim Kunden optimieren und ihnen so helfen, Geld einzuparen." Damit habe Reichhart vor allem bereits bestehende Kunden überzeugen können, weiterhin und mitunter sogar stärker mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten. Denn: "Die Gefahr ist immer, dass die Auftraggeber in schwierigen Zeiten gewisse Dienstleistungen wieder in das eigene Haus holen". Die Folge bei Reichhart sei hingegen gewesen, dass der Krontraktlogistikbereich in der ersten Jahreshälfte sogar um 6 Prozent gewachsen sei, während der Bereich Transport-Logistik leichte Rückgänge verzeichnet habe.
Punkt drei sei gewesen: "Wir haben kontinuierlich in die Qualität unserer Mitarbeiter investiert." Dies sei überhaupt erst eine Voraussetzung für den erfolgreichen Weg durch die Krise gewesen. Zudem könne das Unternehmen nur mit gut ausgebildeten Mitarbeitern auch jene komplexen Aufgabenstellungen für die Kunden übernehmen, die in den kommenden Monaten Wachstum bringen sollen. Als Beispiel nennt Jackl die Organisation der innerbetrieblichen Transporte in einer fraktalen Fabrik eines Kunden. "Dort hat man natürlich sehr komplexe Versorgungs- und Informationswege", betont Jackl.
Gleichzeitig hat das Management auch in den schwierigen letzten Monaten überlegt, wie es sein Angebot abrunden kann. Ziel sei es nun, so Jackl, künftig verstärkt Rundläufe und vernetzte Transporte anzubieten. Dazu hat sich der Mittelständler "maßgeblich" an dem Transportunternehmen Lobeko GmbH beteiligt. Dieses war Anfang 2004 gegründet worden und disponiert derzeit einen Fuhrpark mit 25 Fahrzeugen.
Reichhart Just in Time. Die Geschäfte führt weiterhin Georg Berberich. Reichhart Logistik erhofft sich von dem Zukauf vor allem, die Warenflüsse von und zu den OEMs bündeln zu können. Daher wird der Automotive-Spezialist auch seine eigenen Fahrzeuge in das Unternehmen einbringen, das künftig unter dem Namen Reichhart Just in Time laufen wird. Die Flotte soll sich dann im Laufe des kommenden Jahres auf etwa 50 schwere Einheiten verdoppeln, so dass ein Eigenanteil von mehr als 50 Prozent möglich wird.
Nachdem das Wachstum in den vergangenen Jahren vor allem durch die Kontraktlogistik getrieben war, dürfte sich dieser Trend im kommenden Jahr Jackl zufolge umkehren. "Ich gehe davon aus, dass 2010 die Transport-Logistik stärker wachsen wird", wobei dies im Grunde zweitrangig sei. Denn unter dem Strich werde Reichhart "wieder einen stärkeren Wachstumspfad beschreiten". Heißt bei Reichhart: "Zweistelliges Umsatzplus".
NACHGEFRAGT
Michael Jackl
Geschäftsführer Reichhart Logistik

Herr Jackl, Reichhart ist bisher bemerkenswert gut durch das Jahr gekommen. Was machen Sie besser als andere?
Wir streben immer eine sehr enge Kundenbindung an und wollen strategische Partnerschaften eingehen. Das hat den Vorteil, dass wir in logistische Entscheidungsprozesse einbezogen werden und gegenüber dem Auftraggeber bei der Angebots- und Leistungsstruktur deutlich offener sein können. Und da wir dann integrierte Logistikleistungen anbieten, sind wir erstens nicht so einfach austauschbar, und zweitens können wir mit dem Kunden wachsen. Ein zweiter Punkt ist, dass wir sehr stark in unsere Mitarbeiter invenstieren und mittlerweile beispielsweise hoch qualifizierte Projektmanager haben. Und drittens haben wir uns eine eigene IT-Kompetenz aufgebaut und können unter anderem eigene Montage- und Sequenzsoftware anbieten.
Nennen Sie doch bitte noch einmal die Gründe für den Einstieg bei Lobeko.
Wir haben dies insbesondere getan, um exzellente Qualität für unsere Kunden bieten zu können. Früher haben wir auf den Eigenfuhrpark ein vermindertes Augenmerk gelegt und vor allem auf Leistungspartner gesetzt. Da gab es teilweise Qualitätsprobleme, und wir hatten mitunter das Problem, dass die Dienstleister mittels Preisdumping unsere Kunden abgeworben haben. Vorrangig geht es uns jedoch darum, künftig komplexere Transportaufgaben bewältigen und kundenbezogene Netzwerke abbilden zu können. Und dabei ist die Wahl auf Lobeko gefallen, da deren Geschäftsführer Georg Berberich ein absoluter Spezialist bei der Auslastungsoptimierung und Tourenplanung ist.
Sehen Sie Anzeichen, dass die Krise im Automotive-Bereich überstanden ist?
Das ist schwer zu sagen. Fakt ist aber, dass es sicherlich noch Überkapazitäten im Markt gibt. Erfreulich für uns ist, dass im Ersatzteilgeschäft, wo wir auch recht stark aktiv sind, der Einbruch nicht so stark war wie befürchtet.
DVZ 21.11.2009




